Der Bademeister ohne Himmel
Der erste Satz
Ich werde vor ein Auto laufen.
Der Anfang der Geschichte
Der fünfzehnjährigen Linda geht es nicht wirklich gut. Ihre Mutter hat einen neuen Liebhaber, der ausgerechnet mit Beerdigungen sein Geld verdient. Ihr einziger langjähriger Schulfreund Kevin verzweifelt an den Problemen der Welt und zieht sich in digitale Welten zurück. Halt gibt ihr Hubert, der 86jährige Nachbar und Ewa, seine knapp 40jährige polnische Pflegehelferin in deren beider Leben die junge Linda zunehmend Bedeutung gewinnt.
Hubert war früher Bademeister, erinnert sich aber nicht, dass er verheiratet war und seine Frau schon vor zehn Jahren gestorben ist. Huberts Tochter engagiert Linda als Unterstützung für drei Nachmittage in der Woche, um Ewa zu entlasten. Zwar hat Linda keine Ahnung, wie man mit einem an Demenz erkrankten Menschen kommuniziert, aber das ist kein Hindernis. Sie probiert einfach alles aus. Ihr angedeuteter Kopfsprung vom Sofa mit Schwimmflügeln und Kraulschwimmbewegungen bringt Hubert erinnernd zurück an den alten Arbeitsplatz. Die tägliche Suche nach dem verlegten Rasierer oder dem Zahnersatz, die nie dort sind, wo sie abends hingelegt wurden, sind weder für Hubert noch für Linda ein Drama. „Das Suchen hat nämlich auch Vorteile: Wir sind beschäftigt, die Zeit vergeht wie im Flug und man findet allerhand. … Hubert und ich sind tiefenentspannt, wenn etwas fehlt.“ (Seite 45)
Die Autorin
Petra Pellini, geboren 1970 in Österreich, ist Autorin und Gesundheits- und Krankenschwester. Sie war in Innsbruck über mehrere Jahre beruflich in einem Wohnzentrum für Menschen mit Demenz tätig. „Der Bademeister ohne Himmel“ ist ihr erster Roman. In Deutschland wurde er unter anderem mit dem Preis Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen 2024 ausgezeichnet.
Meinungen
„Petra Pellini beschreibt die großen und kleinen Dramen leicht, aber nie leichthin. Und vielleicht macht genau das die Bademeister-Geschichte so faszinierend. Es gibt Bücher, die lange nachhallen. Dies ist so eines. Der Bademeister ohne Himmel ist eine Geschichte, die auch nach dem Lesen noch lange berührt.“ (Christine Westermann, WDR)
„Es ist wirklich bemerkenswert, mit welcher beiläufigen Eleganz Petra Pellini ihre Geschichte zu einem Feuerwerk von Empathie und Fantasie ausgestaltet.“ (Denis Scheck, tagesspiegel.de)
„Ein wundervolles Buch voller Herzenswärme, aber auch eine hilfreiche Anleitung zum Umgang mit dementen Mitmenschen.“ (Nicola Bräunling, Süddeutsche Zeitung).
Sehr empfehlenswert ist ein Podcast des österreichischen ORF, in dem Petra Pellini 45 Minuten lang über ihre Arbeit und den Roman spricht, den man zum Beispiel auf YouTube hören kann:
https://www.youtube.com/watch?v=4JzHunRA20Q
Ich weiß nicht, wann ich zum vorletzten Mal beim Lesen eines Buches zugleich gelacht und geweint habe. Das letzte Mal war es gerade jetzt und hier beim „Bademeister ohne Himmel“. Petra Pellini hat ein im Grundton heiteres und zugleich tieftraurig melancholisches Buch geschrieben, das herzerwärmend nachwirkt. Falls sie es in die Hand bekommen, lesen sie die drei Seiten des zweiten Kapitels und entscheiden sie dann, ob sie es kaufen oder zurücklegen werden. Meine Empfehlung: Anschaffen!
Dieter Niehoff
Petra Pellini: „Der Bademeister ohne Himmel“
Kindler Verlag 2024 (geb.), Rowohlt Taschenbuchverlag 2026
320 Seiten
Der Roman kann in der Bücherei ausgeliehen oder vorbestellt werden