Der Gott des Waldes
Die zwei ersten Sätze
„Das Bett ist leer. Die Betreuerin Louise – dreiundzwanzig, kurze Beine, raue Stimme, heiteres Gemüt – steht barfuß auf den warmen, rauen Bodenbrettern der Hütte, die den Namen „Haus Balsam“ trägt und stellt fest, dass die untere Etage des Stockbetts neben der Tür leer ist“.
Der Beginn
Es ist der Sommer 1975, als in den Adirondack Mountains ein 13-jähriges Mädchen plötzlich spurlos verschwindet.
Die Geschichte spielt in einem Naturreservat mit gefährlichem Waldgebiet und einem großen See. Dort lebt in einem imposanten Landhaus die reiche Familie van Laar, die seit Jahrzehnten hier im Sommer ein Ferienlager für Kinder betreibt. Sie dürfen hier in einfachen Hütten leben und den Umgang mit der Natur lernen.
In diesem Jahr, also im Sommer 1975, darf auch die 13jährige Tochter der van Laars, Barbara, in das Ferienlager. Ihrer Mutter ist das nur recht, da sie ohnehin große Probleme mit dem punkigen Mädchen hat und weil ein großes Gartenfest ansteht, bei dem sie ihre Tochter ohnehin nicht dabeihaben will. Barbara wird mit anderen Mädchen in dem Haus „Balsam“ untergebracht, für das die Betreuerin Louise die Verantwortung trägt. Nachdem Louise in der Nacht kurz weg war, um zu feiern, findet sie am nächsten Morgen das Bett von Barbara leer vor. Sie meldet das und eine riesige Suchaktion startet.
Nicht nur ein Dutzend Verdächtige werden jetzt verfolgt und beleuchtet – es geht auch in die Geschichte der Familie van Laar zurück. Denn vor genau 14 Jahren ist schon einmal ein Kind der Familie verschwunden, der kleine Sohn Bear. In Rückblenden wird von der Suche nach dem damals fünfjährigen Jungen erzählt. Der letzte, der ihn vor seinem Verschwinden gesehen hat, war der Großvater.
Die Autorin
Liz Moore, geboren 1983, hat zunächst als Musikerin in New York gearbeitet und anschließend begonnen, Romane zu schreiben. 2020 erschien ihr Roman „Long Bright River“. „Der Gott des Waldes“ erhielt zahlreiche hymnische Besprechungen und wurde von Barack Obama auf seine Summer Reading List gesetzt. Liz Moore lebt mit ihrer Familie in Philadelphia.
Meinungen
Der Roman bekommt immer mehr Tiefgang, je weiter die Handlung fortschreitet und je genauer die Charaktere und Beziehungen dargestellt werden.
Jede der handelnden Personen hat etwas zu verbergen, agiert undurchsichtig und verschwiegen. Da ist zum Beispiel Alice, die Mutter der beiden Kinder, die als ganz junge Frau mit dem reichen Peter van Laar verkuppelt wurde und jetzt ohne die Liebe und Anerkennung ihres Mannes auskommen muss und die immer mehr dem Alkohol verfällt. Oder die Leiterin des Ferienlagers T.J.Hewitt, die sich sowohl mit Bear als auch später mit Barbara gut verstanden hat.
Der Roman verbindet Spannung mit einem Blick in die amerikanische Klassengesellschaft.
Themen wie Alkoholismus, soziale Ungerechtigkeit, die Macht der Superreichen, die sich notorisch ihr eigenes Recht verschaffen, die absolute Abhängigkeit, auch reicher Frauen, von ihren Männern, machen dieses Buch, wie der Guardian schreibt, zu einem literarischen Thriller der Spitzenklasse.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, es ist ein unglaublich fesselnder Thriller, dessen Spannung auch bei 600 Seiten anhält und immer mehr gesteigert wird - bis zu seinem überraschenden Finale.
Brigitte Tingelhoff
Das Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden.
Liz Moore: Der Gott des Waldes
Verlag C.H. Beck, 2025
589 Seiten