Die dunkelste Stunde der Nacht
Die dunkelste Stunde der Nacht
Krimis 3 Minuten Lesezeit

Die dunkelste Stunde der Nacht

Die ersten Sätze

„Noch bevor die Sirene losging, spürte Rebus, dass etwas nicht stimmte. Er stand in der Schlange fürs Frühstück und hörte den Wizard, der sich mal wieder die Lunge aus dem Leib hustete.“

Beginn

„John Rebus“ hat sein gesamtes Berufsleben damit verbracht, im schottischen Edinburgh Kriminelle hinter Gitter zu bringen. Jetzt sitzt der DI (Detective Inspector) im Ruhestand wegen Totschlags selbst im Gefängnis. Ein gefährlicher Ort für einen Polizisten, denn Feinde aus vergangenen Tagen hat er hier zuhauf. Nach einem Mord im Gefängnistrakt für Schwerkriminelle wird Rebus wieder zum Ermittler. Natürlich mit unkonventionellen, ganz und gar nicht gesetzeskonformen eigenen Methoden.

Der Autor

Ian Rankin ist einer der erfolgreichsten Krimiautoren der Gegenwart. Seine Hauptfigur „John Rebus“ lässt er seit 1987 in Rankins schottischer Heimat Edinburgh ermitteln. Seine mittlerweile 25 Romane rund um den eigenwilligen, störrischen Polizisten werden weltweit gelesen und wurden in vielen Ländern mit Auszeichnungen bedacht.

Es gehört zu Ian Rankins Markenzeichen, dass die Viertel, Straßen, Gebäude, Plätze, Pubs und Geschäfte in den „Rebus-Romanen“ in Edinburgh wirklich existieren. Man kann als Tourist und Fan des Autors also versuchen, Ian Rankin in seinem Lieblings-Pub, der klitzekleinen Oxford Bar, bei einem Stout oder Whisky wirklich zu treffen. Dem Autor dieser Zeilen ist das bei bislang drei Urlauben in Edinburgh noch nicht geglückt.

In einem Interview hat Ian Rankin erzählt, dass auch sein Metzger und eine Verkäuferin im Supermarkt ihn schon gebeten haben, einmal als Leiche in einem seiner Romane auftauchen zu dürfen. Die Straße, in der sich seine Kfz-Werkstatt befindet, wurde wirklich schon zum Schauplatz eines üblen Mordes. Und John Rebus, die Hauptfigur in seinen Büchern, wohnt in den Romanen genau dort, wo Ian Rankin in seiner Studentenzeit in Edinburgh gelebt hat.

Meinung

Ich war anfangs skeptisch. Nach zwei zuletzt mir weniger gut gefallenen Romanen, in denen Rankin seine Hauptfigur ein wenig an den Rand gedrängt hat, bin ich nun mit Die dunkelste Stunde der Nacht wieder versöhnt mit dem Autor. Ian Rankin hat hier den Mut, seinen gesamten Roman im Gefängnis spielen zu lassen - und das funktioniert vortrefflich. Obwohl ich es immer geliebt habe, Rankins in Edinburgh spielende Krimis mit einem Stadtplan als Lesezeichen zu lesen, ist Rankin der Sog einer überschaubaren Gefängnis-Parallelwelt grandios gelungen. Statt städtischer Viertel, bekannter Straßen und Plätze in der Old- und in der New-Town Edinburghs bietet uns Ian Rankin ein Knast als große Bühne mit Zellen, Fluren, Stockwerken, Innenhöfen, Verhörzimmern, Wärter- und Besuchsbereichen. Diese eingeengte Welt ist überschaubar, dennoch kompliziert genug und alles andere als sicher und vorhersehbar. „John Rebus“ ist wieder da, das war im vergangenen Jahr eine der besten Nachrichten für uns Krimileser.

Der Krimi kann in der Bücherei ausgeliehen werden.

Dieter Niehoff

Ian Rankin: Die dunkelste Stunde der Nacht
Goldmann Verlag 2025, 426 Seiten