Die Witwe
Die Witwe
Krimis 3 Minuten Lesezeit

Die Witwe

Der erste Satz

"Der Mann mit der Sean-Connery-Maske sagte zu dem Mann mit der Daniel-Craig-Maske: „Bertrand der Affe und Raton die Katze sitzen am Feuer und sehen zu, wie die Kastanien im Herd rösten“.

Der Beginn

Fünf Bankräuber mit James-Bond-Masken haben es nur auf ein einziges Schließfach abgesehen. George Lazenby findet es, Pierce Brosnan öffnet es und staunt, dass es leer ist. Sean Connery dreht sich um, erschießt Timothy Dalton und stellt eine kleine Keramikfigur in das leere Fach. Sein Kommentar: „Jetzt sind wir fertig.“ Die vier übrig gebliebenen Bonds verlassen - auf Seite 5 des Romans – in aller Ruhe den ungeplünderten Tresorraum.

Auf den folgenden 500 Seiten ermitteln DI Washington Poe, seine autistische Kollegin Tilly Bradshaw, der MI 5 und das FBI zwei Wochen lang in immer mysteriöser werdenden Zusammenhängen. Es geht um Soldaten in Afghanistan, Helikoptereinsätze für ein internationales Politikertreffen, einen Mord im Bordell und dann wird es wirklich komplex.

Der Autor

Mike W. Craven, geboren 1968, lebt in Carlisle im äußersten Nordwesten Englands. Seit ungefähr 12 Jahren ist er hauptberuflicher Schriftsteller. Zuvor war er zehn Jahre bei der britischen Armee, studierte dann Soziale Arbeit und war sechzehn Jahre lang als Sozialarbeiter in der Bewährungshilfe tätig. Sein erster Kriminalroman in der „Washington-Poe-Reihe“ wurde 2018 in Großbritannien veröffentlicht. Es folgten im jährlichen Turnus weitere Romane. Jeder dieser bislang acht seitenstarken Krimis wurde von der Crime Writer´s Association (GB) ausgezeichnet. Für „Die Witwe“ erhielt M. W. Craven den Preis für den besten Thriller des Jahres.

Meinungen

"Das Buch unterscheidet sich von den anderen Bänden und besitzt einen etwas anderen Sound. „Die Witwe“ ist politischer, kritischer und in gewisser Weise ernster, tiefgründiger als alles Vorherige. Der für Craven typische trockene Humor, der schnörkellose Schreibstil und die pointierten Dialoge sind zwar weiterhin tragende Elemente des Romans, aber in gemäßigter Weise. Craven rückt vielmehr ein ernstes Thema in den Mittelpunkt, mit der er sich als ehemaliger Soldat mit über zehnjähriger Mitgliedschaft in der britischen Armee bestens auskennt (Thomas Gisbertz, auf Krimi-Couch.de)."

"Cravens Roman über die schlimmen Folgen schlimmer Ereignisse in Afghanistan ist eine Art literarische Matrjoschka, die das kommunikative Potential der einhundertvierzigjährigen Geschichte des Genres „Crime Fiction“ voll ausschöpft. Der geniale Detective Sergeant Washington Poe und sein dito genialer Sidekick Tilly Bradshaw schließen direkt an Sherlock Holmes und Watson an, wenn auch zeitgeistig variiert (Thomas Wörtche, auf Culurmag.de, April 2026)."*

Über dreihundert Seiten lang rätselte ich, warum der Roman wohl „Die Witwe“ heißt, nur um dann festzustellen, dass dies eigentlich völlig unwichtig ist. Der Fall ist genial und hochkomplex konstruiert, sprachlich mit reichlich britisch schwarzem Humor versetzt und am Ende völlig logisch. Mich hat dieser vierte Band der Serie gepackt. Einen Tag später hatte ich Band fünf „Der Botaniker“ gekauft und in der Karfreitagswoche regelrecht verschlungen. Die anderen drei Bände werden folgen. Bestimmt.

Dieter Niehoff

M. W. Craven: Die Witwe
Droemer Verlag 2026
(engl. Original aus 2021)
508 Seiten