Qwert
Der erste Satz
„Qwert Zuiopü stürzte durch ein Dimensionsloch.“
Handlung
Wir sind im Kontinent Zamonien, genauer in Orméa, einem sehr großen Landstrich zwischen der Hauptstadt Creatopolis und der Blutroten Wüste. Das klingt erfunden, ist es auch. Denn seit einem Vierteljahrhundert sind die Romane von Walter Moers Fantasy-Epen der irrwitzigen Art. Hier nun geht es um die Abenteuer des Gallertprinzen (aus der 2364. Dimension) Qwert Zuiopü und seinem Kumpel Oyo. Wie dereinst Don Quijotte und Sancho Pansa müssen auch sie sich heldenhaft auf dem Weg machen, um zu retten, was noch zu retten ist. Mit edler Ritterabsicht hat Qwert im ersten Kapitel eine scheinbar holde Jungfrau aus dunkelster Gefangenschaft befreit, doch das war ein übler Fehler, denn die junge Dame ist in Wahrheit eine schreckliche Meduse, die alles daransetzen wird, Ormèa und alle dort lebenden Geschöpfe umzubringen. Qwert und Oyo bleiben zur Rettung der Welt 43 Kapitel auf 570 Seiten. Eigentlich müsste das reichen, aber in Zamonien sind Zeit und Buchkapitel alles andere als berechenbare Größen.
Qwert bekommt es im Laufe des Buches mit reichlich Gegnern zu tun: Mit Riesengletscherzwergen, Ruinenzecken, Fliegendem Treibsand, Träumenden Tümpel, Hölzerne Ritter, orthodoxe Kamelianer, Flederfrösche, tanzenden Pilze, Äpfel mit Augen, einem Janusmännlein, den rostigen Gnomen, den Unsichtbaren Leuten und weiteren Kreaturen, die es zum Teil aus früheren Werken des Autors hierher in den schon zwölften Band der Zamonien-Reihe geschafft haben.
Der Autor
„Die 13 ½ Leben des Käpt`n Blaubär“ erschien 1999 und machte den Comiczeichner, Illustrator und Kinderbuchautor Walter Moers schlagartig auch als Fantasy-Autor bekannt. Den blauen Bären hatte Moers bereits Jahre zuvor für drei kleine Kinderbücher erfunden. Kurz darauf schnappte ihn sich das öffentlich-rechtliche TV als knuddelige Figur für das Kinderfernsehen .
Wenige Jahre später aber ließ Walter Moers den Blaubären in einem 700 Seiten starken Fantasy-Epos zu einer Kultfigur heranwachsen. Nicht etwa für Kinder, sondern für die Boomer - Generation, die literarisch mit dem „Herrn der Ringe“ oder „Per Anhalter durch die Galaxis“ groß geworden ist.
Wer etwas über Walter Moers wissen will, der ist auf Sekundärquellen angewiesen, denn er gibt keine Interviews und bleibt medial im Verborgenen. Nur soviel scheint sicher: Walter Moers, geboren in Mönchengladbach, ist verheiratet und lebt seit langer Zeit in Hamburg. Er ist nach wie vor autodidaktischer Illustrator, Comiczeichner und Schriftsteller. Nach dem Erfolg seiner Comicfigur „Adolf, die Nazi-Sau (1998)“ wurden er und seine Familie ernstlich von Rechtsradikalen bedroht. Daraufhin beschloss er, sich nicht mehr zu äußern und auch nirgendwo als Autor oder Zeichner öffentlich in Erscheinung zu treten. Es gibt ihn aber wirklich, so behauptet es zum Beispiel sein Freund Ralf König, ein ebenfalls sehr bekannter Zeichner und Autor.
Meinung
Wie kommt Moers nur auf diesen seltsamen Namen: Qwert Zuiopü? Die Antwort ist simpel und man findet sie auf jeder Tastatur: Die Buchstaben in der oberen (deutschen) Tastaturreihe lauten: Q-W-E-R-T-Z-U-I-O-P-Ü. Fertig. In der englischsprachigen Ausgabe muss der Held übrigens Q-W-E-R-T - Y-U-I-O-P heißen.
Moers Vorbild für Qwert sind laut Verlag die früher sehr erfolgreichen Ritterromane, in denen die Hauptfigur in zahllosen Fortsetzungskapiteln eine Heldentat nach der anderen bestehen musste. So geschehen zum Beispiel in der vor 400 Jahren erschienenen Urform aller Ritterromane: Dem zweiteiligen Don Quijotte (1.500 Seiten), zu dem Moers in Qwert reichlich Anleihen gefunden werden können. Andere Vorbilder finden sich bei Walter Moers selbst. Qwert ist sehr nah dran an Käpt´n Blaubär und etwas entfernt von den Zamonien-Romanen rund um Hildegunst von Mythenmetz, dem legendären Helden in Moers wunderbarem Roman "Die Stadt der träumenden Bücher".
Qwert ist auch optisch ein opulenter Genuss. Von den vielen Illustrationen begeistern mich besonders: Die Kakteensammlung (S. 290/291), die Riesengletscherzwerge (S. 34/35), der große und die kleinen Eisernen Ritter (S. 139) und die sechsseitige Zeichnung der Stadt Creatopolis (ab S. 232).
Sie erhalten Qwert zur Ausleihe in der Bücherei.
Dieter Niehoff
Walter Moers: Qwert
(mit Illustrationen des Autors)
Penguin Verlag 2025
594 Seiten