Qwert
Qwert
Romane 4 Minuten Lesezeit

Qwert

Der erste Satz

„Qwert Zuiopü stürzte durch ein Dimensionsloch.“

Handlung

Wir sind im Kontinent Zamonien, genauer in Orméa, einem sehr großen Landstrich zwischen der Hauptstadt Creatopolis und der Blutroten Wüste. Das klingt erfunden, ist es auch. Denn seit einem Vierteljahrhundert sind die Romane von Walter Moers Fantasy-Epen der irrwitzigen Art. Hier nun geht es um die Abenteuer des Gallertprinzen (aus der 2364. Dimension) Qwert Zuiopü, und seinem Kumpel Oyo. Wie dereinst Don Quijotte und Sancho Pansa müssen sie sich heldenhaft auf dem Weg machen, um zu retten, was noch zu retten ist. Mit edler Ritterabsicht hat Qwert im ersten Kapitel eine scheinbar holde Jungfrau aus dunkelster Gefangenschaft befreit, doch das war ein übler Fehler, denn die junge Dame ist in Wahrheit eine Janusmeduse, die alles daransetzen wird, Ormèa und alle dort lebenden Geschöpfe umzubringen. Qwert und Oyo bleiben zur Rettung der Welt 43 Kapitel auf 570 Seiten. Eigentlich müsste das reichen, aber in Zamonien sind Zeit und Buchkapitel alles andere als berechenbare Größen.

Qwert bekommt es im Laufe des Buches mit reichlich Gegnern zu tun: Mit Riesengletscherzwergen, Ruinenzecken, Fliegendem Treibsand, Träumenden Tümpel, Hölzerne Ritter, orthodoxe Kamelianer, Flederfrösche, tanzenden Pilze, Äpfel mit Augen, einem Janusmännlein, den rostigen Gnomen, den Unsichtbaren Leuten und Dutzenden weiterer Kreaturen, die es zum Teil aus früheren Werken des Autors hierher in den 12. Band der Zamonien-Reihe geschafft haben.

Der Autor

„Die 13 ½ Leben des Käpt`n Blaubär“ erschien 1999 und machte den Comiczeichner, Illustrator und Kinderbuchautor Walter Moers schlagartig auch als Fantasy-Autor bekannt. Den Blaubär hatte Moers bereits Jahre zuvor für drei kleine Büchlein erfunden und danach schnappte ihn sich das öffentlich-rechtliche TV als knuddelige Figur für das Kinderfernsehen . Wenige Jahre später ließ Walter Moers den Blaubären jedoch in einem 700 Seiten starken Fantasy-Epos zu einer Kultfigur heranwachsen. Nicht etwa für Kinder, sondern für eine Generation, die literarisch mit dem „Herrn der Ringe“ oder mit „Per Anhalter durch die Galaxis“ groß geworden ist.
Wer etwas über Walter Moers wissen will, der ist auf Sekundärquellen angewiesen, denn er gibt keine Interviews, bleibt medial im Verborgenen. Nur soviel scheint sicher: Walter Moers, geboren in Mönchengladbach, ist verheiratet und lebt seit langer Zeit in Hamburg. Er ist nach wie vor autodidaktischer Illustrator, Comiczeichner und Schriftsteller. Nach dem Erfolg seiner Comicfigur „Adolf, die Nazi-Sau (1998)“ wurden er und seine Familie ernstlich von Rechtsradikalen bedroht. Daraufhin beschloss er, sich nicht mehr zu äußern und auch nirgendwo als Autor oder Zeichner öffentlich in Erscheinung zu treten. Es gibt ihn aber wirklich, so behauptet es zum Beispiel sein Freund Ralf König, ein nicht weniger bekannter Zeichner und Autor.

Meinung

Wie kommt Moers nur auf diesen seltsamen Namen: Qwert Zuiopü? Die Antwort ist simpel und man findet sie auf jeder Tastatur: Die Buchstaben in der oberen (deutschen) Tastaturreihe lauten: Q-W-E-R-T-Z-U-I-O-P-Ü. Fertig. In der englischsprachigen Ausgabe muss der Held übrigens Q-W-E-R-T - Y-U-I-O-P heißen.
Moers Vorbild für Qwert sind laut Verlag die früher sehr erfolgreichen Ritterromane, in denen die Hauptfigur in zahllosen Fortsetzungskapiteln eine Heldentat nach der anderen bestehen musste. So geschehen zum Beispiel in der vor 400 Jahren erschienenen Urform aller Ritterromane: Dem zweiteiligen Don Quijotte (1.500 Seiten), aus dem Moers in Qwert reichlich Anleihen gemacht hat. Andere Vorbilder finden sich bei Moers selbst. Qwert ist sehr nah dran an Käpt´n Blaubär und etwas weiter entfernt von den Zamonien-Romanen rund um Hildegunst von Mythenmetz, dem legendären Helden in Die Stadt der träumenden Bücher.
Qwert ist auch optisch ein opulenter Genuss. Von den vielen Illustrationen begeistern mich besonders: Die Kakteensammlung (S. 290/291), die Riesengletscherzwerge (S. 34/35), der große und die kleinen Eisernen Ritter (S. 139) und die sechsseitige Zeichnung der Stadt Creatopolis (ab S. 232).

Sie erhalten Qwert zur Ausleihe in der Bücherei.

Dieter Niehoff

Walter Moers: Qwert
(mit Illustrationen des Autors)
Penguin Verlag 2025
594 Seiten