Tage auf dem Land
Tage auf dem Land
Romane 2 Minuten Lesezeit

Tage auf dem Land

Die ersten Sätze

Das Interview schien vorbei zu sein. Die Rektorin des College saß da und betrachtete die Kandidatin.

Der Beginn

1976 in Yorkshire: Marigold Green ist 17 Jahre alt und erlebt eine ziemlich ungewöhnliche Kindheit. Da ihre Mutter bei ihrer Geburt verstorben ist, wächst sie mit ihrem Vater auf, der Housemaster eines Jungeninternats ist. Der Vater ist zerstreut und schweigsam, liest abends und spielt mit seiner Tochter Schach. In sogenannten Donnerstagsrunden trifft er sich mit seinen alten skurrilen Freunden, wobei man viel über den Krieg redet. Zum Glück gibt es noch die liebevoll zupackende Paula – sie ist Hausmutter aller Jungen und kümmert sich um die kluge „Bilge“, wie Marigold von allen genannt wird.
Während die gleichaltrigen Mädchen sie links liegen lassen und sie oft verspotten, weil sie zu altmodisch gekleidet und zu ehrlich in ihrem Auftritt ist, haben die älteren Schüler aber schon ein Auge auf sie geworfen. Doch Bilge hat nur Augen für den Schulsprecher Jack Rose.

Dann taucht eines Tages Grace Gathering auf, Bilges ehemalige Kinderfreundin und Tochter des Direktors, die bisher aus allen Internaten geflogen ist. Sie ist hübsch, auffällig gekleidet und provokant. Bilge ist begeistert und es wächst in ihr die Hoffnung, endlich eine Freundin zu finden. Und dann wird sie von Jack Rose zu einem Wochenende auf dem Land eingeladen.

Die Autorin

Jane Gardam wurde 1928 in North Yorkshire geboren und lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 2025 in East Kent. Erst mit 40 Jahren begann sie zu schreiben und brachte es auf über 30 Romane, Erzählungen und Kinderbücher. Ihre Romane wurden vielfach ausgezeichnet. 1978 wurde sie für den Brooker Prize nominiert. Ihr Roman „Tage auf dem Land“ wurde 2025 erstmals ins Deutsche übersetzt.

Meinungen

Ein zunächst etwas altmodisch anmutender, klassischer Internatsroman gewinnt zunehmend an Originalität durch seine herrlich schlagfertige Heldin, der wenig entgeht und durch Gardams erzählerisches Talent. Ein Kritiker schreibt „Schon damals in den Siebzigern wusste die britische Autorin, die im deutschsprachigen Raum erst nach der Jahrtausendwende bekannt wurde, wie man dramatisch und zugleich urkomisch erzählt“. Voller Pointen und Situationskomik zieht Gardam ihre Leserinnen und Leser in ihren Bann. Ein amüsantes und feinsinniges Lesevergnügen und dazu – very british!

Brigitte Tingelhoff

Jane Gardam: Tage auf dem Land
Hanser Berlin 2025
272 Seiten