Wenn ich eine Wolke wäre
Wenn ich eine Wolke wäre
Romane 2 Minuten Lesezeit

Wenn ich eine Wolke wäre

Die zwei ersten Sätze

Das Schiff legt ab. Es gibt jetzt kein Zurück mehr.

Zum Inhalt

Anfang der dreißiger Jahre ist Mascha Kaleko ein Star in Deutschland. Die Menschen lieben ihre Gedichte über Liebe und Alltag, über Berlin und die Welt. Im Januar 1933 erschien bei Rowohlt Kalekos erste Lyriksammlung „Das lyrische Stenogrammheft“. Das Buch wurde ein großer Erfolg, obwohl der Erscheinungstermin im Nachhinein – Kaleko war Jüdin- waghalsig erscheint. Sogar ein 2. Band konnte 1935 noch erscheinen, bevor die Werke der Jüdin endgültig verboten wurden. Deutschland und vor allem Berlin waren Kalekos Heimat. Hier fühlte sie sich zuhause. Erst 1938 in allerletzter Minute floh sie mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn nach New York.

Siebzehn Jahre dauerte es, bis Mascha Kaleko im Jahr 1956 zurückkam. Ihr alter Verlag Rowohlt plante eine Neuauflage ihrer Bücher. Mascha Kaleko kam voller Vorfreude, aber auch Angst, ob die Menschen ihre Gedichte noch lesen wollten und ob Berlin nochmal ihre Heimat werden kann. Ihr Mann und ihr Sohn bleiben zunächst in New York und fast täglich schickt sie ihnen Briefe, in denen sie ihren Triumph in Deutschland schildert. Doch nimmt man ihr auch übel, als sie einen Preis ablehnt, weil in der Jury ein ehemaliger SS-Standartenführer sitzt. 1960 siedeln Mascha und ihr Mann nach Palästina über, was sich als keine glückliche Entscheidung herausstellt.

Zum Autor

Volker Weidermann, geboren 1969 war Gastgeber des Literarischen Quartetts im ZDF. Er ist Kulturkorrespondent der Zeit und Autor zahlreicher Bücher, darunter „Mann vom Meer“ über Thomas Mann.

Meinungen

Volker Weidermann schreibt über ein einzelnes Jahr, über das Jahr 1956. Er schildert Kalekos Reise durch Berlin und andere Städte, ihre Begegnungen mit Verlegern, Empfänge und Ehrungen. Er nutzt Archivmaterial, Briefe und Tagebucheinträge, um Kalekos Perspektive eindrücklich zu vermitteln.

Einige Kritiker bemängeln, dass Weidermann versuche, Kalekos Tonfall nachzuahmen, was als zu gefühlig kritisiert wird.

Ich habe dieses Buch als überaus lesenswerte biografische Annäherung gelesen, die historische Einblicke mit persönlichen Erlebnissen verbindet und die das Leben dieser wunderbaren Lyrikerin anhand eines Jahres zeigt. Es sind gut recherchierte, einfühlsame Texte. Mir hat das sehr gut gefallen.

Volker Weidermann: Wenn ich eine Wolke wäre - Mascha Kaleko und die Reise ihres Lebens.
Verlag Kiepenheuer & Witsch 2025
250 Seiten

Brigitte Tingelhoff