Wie fühlst Du dich?
Wie fühlst Du dich?
Sachbücher 2 Minuten Lesezeit

Wie fühlst Du dich?

Der erste Satz

"Fangen wir mal so an: Ich habe schlecht geschlafen."

Der Autor

Axel Hacke wurde 1956 in Braunschweig geboren und lebt heute als Schriftsteller und Kolumnist des Süddeutsche Zeitung Magazins in München. Er gehört zu den bekanntesten Autoren Deutschlands, seine Bücher wurden vielfach prämiert.
2013 war er zu Gast in Coesfeld anlässlich des 70. Jubiläums der Stadtbücherei.

„Mein Grundgefühl am Anfang des Buches war, sich mit all diesen Gefühlen, die so zentral sind für unser Leben, zu beschäftigen. Und da landet man dann sehr schnell bei der Politik.“ Denn insbesondere Populisten und Rechtsextreme verstünden es bestens, so Hacke, all die Gefühle, die einen so umtreiben, für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Gefühle und Vernunft seien untrennbar, wer seine Gefühle nicht reflektiere, werde schnell zum Spielball politischer Manipulation. Er zeigt auf, wie sich unser gesellschaftlicher Umgang mit Gefühlen gewandelt hat – von Descartes` “Ich denke, also bin ich“ bis zu einem zeitgenössischen „Ich fühle, also bin ich“.

Hacke beschäftigt sich zunächst mit dem Gefühl der Angst, das die Populisten geschickt zu schüren wüssten. Er hat eine Vielzahl von Werken über Angst, Hass, Zorn, Melancholie, Neid und Scham gelesen, aus denen er in seinem Buch zitiert. Er verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit persönlichen Erfahrungen und philosophischen Betrachtungen. Es sei eine Fehlkonstruktion des Menschen, dass sie in erster Linie auf die negativen Emotionen fixiert seien.

Meinungen

Hacke bleibt seinem Stil treu, den man aus vielen seiner Bücher kennt: er ist nie belehrend, sondern lädt zum Gespräch ein – in einem Ton zwischen Humor und Ernst. Aber während er sich bisher vorwiegend mit den Absurditäten des Alltags beschäftigte, führt ihn die Beschäftigung mit unserem Innenleben zu den großen gesellschaftlichen Problemen unserer Zeit. Mir hat gefallen, wie offen er mit seinen eigenen Gefühlen umgeht, auch nicht verschweigt, dass er psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nahm, aber auch wie kenntnisreich er anerkannte Experten zu Wort kommen lässt, ohne seine eigenen Erfahrungen und Meinungen zu verstecken. Ein nachdenkliches, warmes und kluges Buch.
„Das Ei des Kolumbus“ sagt Denis Scheck und meint es anerkennend.

Brigitte Tingelhoff

Axel Hacke
Wie fühlst du dich? Über unser Innenleben in Zeiten wie diesen.
DuMont Buchverlag, 2025,
254 Seiten